Erstgespräch
Fachartikel

Professionelle Empathie

Karl Kreuser
In: Spektrum der Mediation, Ausgabe 61 · Januar 2016

Worum es geht

Zusammenfassung

Empathie gilt als unabdingbare Voraussetzung der Prozesssteuerung in der Mediation — als Gegenidentität zur Macht. Karl Kreuser räumt zunächst mit einer verbreiteten Verwechslung auf: Empathie wird oft mit einer Fähigkeit, einem Vermögen, einer Kompetenz oder einer Eigenschaft der Begleitperson gleichgesetzt. Alle diese Setzungen sind falsch. Empathie ist etwas, das im Prozess zwischen den Beteiligten entsteht — die Qualität einer sozialen Beziehung.

Daraus folgt, wo sie herkommt: nur über das Individuum, das Werte und Haltung entwickelt, nicht über die Person, die in formaler Funktion der Rolle eine Methode anwendet. Mediation ist mehr als der Gebrauch von Methode und verlangt eine reflektierte professionelle Haltung.

Zwei Abwege benennt der Beitrag ausdrücklich. Empathie darf nicht zum Selbstzweck werden — etwa als Ideal, das die Macht als Gegenpart der Differenzierung einfach absorbiert. Und sie darf nicht versehentlich Anteile der Begleitperson einbringen: als Selbstdarstellung der eigenen Empathiefähigkeit, als Mitleid oder als Nachgeben gegenüber Hilfsimpulsen.

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