Erstgespräch
Fachartikel

Wir sind die Guten!

Ein selbstkritisches Statement für Mediation als professionelle Dienstleistung.

Karl Kreuser
In: Die Mediation, Heft III/2019 · Juli 2019

Worum es geht

Zusammenfassung

Mediation wird von der Gesellschaft anders wahrgenommen als von Mediatorinnen und Mediatoren. Die Nachfrage stagniert, kritische Stimmen nehmen zu. Wer in einer sich wandelnden Welt bestehen will, darf keinen blinden Fleck haben.

Karl Kreuser richtet den Blick deshalb nach innen. In der Selbstdarstellung neigt die Mediationsszene zu Überhöhungen — etwa der Behauptung, Mediatoren leisteten einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zum Frieden und zur Sicherung der Umwelt. Immer wieder wird betont, die Mediierenden seien die Guten. Damit ist implizit festgestellt, dass es daneben die Schlechten gibt: die Streitsüchtigen, die Unbelehrbaren, die noch zu überzeugen wären.

Genau hier wird mediative Haltung paradox. Beurteilung, Bewertung und Belehrung stehen ausgerechnet Mediierenden schlecht an. Niemand lässt sich gern belehren — idealisierte Missionsversuche werden zurückgewiesen und schaden dem Bild von Mediation in einer pragmatischen Gesellschaft eher.

Die Folgerung ist unbequem und konstruktiv zugleich: das eigene Tun kritisch hinterfragen, proaktiv auf Veränderungen eingehen und der Klientel echten Mehrwert bieten.

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