Diagnostische Kompetenz
Erkenntnisse zum professionellen Fallverstehen.
Karl Kreuser
In: Spektrum der Mediation 88/2022 · Juni 2022
Zusammenfassung
Das internationale Forschungsprojekt „Mediationskompetenz im Wandel" geht auch der Frage nach, ob Mediation eine eigenständige Profession ist, die sich nicht unter andere subsumieren lässt. Karl Kreuser findet ein Indiz dafür in einer zentralen Fähigkeit professionellen Handelns: der diagnostischen Kompetenz.
Berufsstände wie Ärztinnen oder Juristen gelten klassisch als Professionen und lassen sich über Attribute beschreiben — staatlich geregelte Zugangsvoraussetzungen, geschützte Betätigungsfelder, eigene Standesorganisationen, autonome Entscheidungsspielräume, Berufsethiken. Mediation zählt nicht dazu, und dieser beschreibende Zugang führt bei ihr nicht weiter.
Ergiebiger ist eine Betrachtung, die professionelles Handeln in seiner Funktion für eine Struktur erfasst. Nach Ulrich Oevermann haben Professionen eine gesellschaftliche Funktion: Juristen die der Rechtsbeschaffung, Ärzte die der Therapiebeschaffung, Wissenschaftler die der Erkenntnisbeschaffung.
Mediation urteilt nicht, heilt nicht und belehrt nicht. Sie hat eine eigene Funktion — und der Beitrag arbeitet heraus, welche diagnostische Kompetenz dafür nötig ist.
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