Erstgespräch
Fachartikel

Professionelles Fallverstehen

Warum Menschenverstehen für professionelle Mediation zu wenig ist.

Karl Kreuser
In: mediationaktuell.de · Dezember 2018

Worum es geht

Zusammenfassung

Immer wieder treffen wir auf Menschen und merken, dass sie etwas beschäftigt. Wir fragen nach oder sie erzählen von sich aus, und sofort fangen unsere Filme an zu laufen. Das machen alle Menschen so, nicht nur Profis.

Karl Kreuser markiert genau dort den Unterschied. Professionelles Fallverstehen bedeutet, die eigene Wahrnehmung mit einer spezifischen Theorie zu vergleichen. Und es geschieht nicht aus der Distanz: Man ist kein unbeteiligter Dritter, der zufällig etwas wahrnimmt und seiner Wege geht, sondern beteiligter Dritter, der auf den weiteren Verlauf Einfluss nimmt — ohne selbst Teil der Not oder des Problems zu werden.

Zum Vergleich zieht er die juristische Profession heran. Sie arbeitet wesentlich auf der Ebene der Erzählungen: Was sagt A, was sagt B, was lässt sich durch Dokumente, Indizien oder Zeugenaussagen verifizieren? Dem wird das geltende Recht als spezifische Theorie gegenübergestellt — und dafür muss die beklagte Seite nicht einmal anwesend sein oder zustimmen. Für Mediation gilt eine andere Theorie und damit ein anderes Fallverstehen.

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