Erstgespräch
Fachartikel

Man kann nicht mediativ streiten

Ein selbstkritisches Statement für professionelle Rollendistanz.

Karl Kreuser
In: mediationaktuell.de · März 2019

Worum es geht

Zusammenfassung

Zwei Szenen stehen am Anfang. In der Vorstandssitzung eines großen Mediationsverbands wirft eine Teilnehmerin ihrem Kollegen mitten in einer hitzigen Debatte an den Kopf: „Das ist aber jetzt nicht mediativ, was du sagst…" — worauf der Angesprochene beleidigt den Raum verlässt. Und nach einem Konfliktseminar sagt eine beeindruckte Teilnehmerin zu ihrem Trainer: „Wow, da muss es bei Ihnen als Mediator zuhause ja immer total harmonisch zugehen…"

Karl Kreuser sieht in beiden dasselbe: die Reduktion eines Menschen auf eine berufliche oder ehrenamtliche Rolle, also eine Stereotypisierung. Menschen nehmen unterschiedliche Rollen ein — Mediatorin, Mutter oder Vater, Konflikttrainerin, Vorstandskollege.

So begrüßenswert mediative Haltung ist: Manche friedensbewegte Mediatorinnen und Mediatoren erheben etwas, das sie „mediativ" nennen, zur ausschließlichen Lebensauffassung, fast zu einer Religion. Damit verwechseln sie einen state of mind mit einer universellen Moralphilosophie. Der Beitrag nennt das würdelos — und plädiert selbstkritisch für professionelle Rollendistanz.

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