Schieben und ziehen – das braucht die Mediation
Ein Plädoyer für Perspektivwechsel und Professionalität.
Thomas Robrecht
In: Spektrum der Mediation, Ausgabe 76 · Juni 2019
Zusammenfassung
Mediation gewinnt an Bekanntheit und verliert an Zutrauen. Der Roland Rechtsreport 2019 zeigt beides zugleich steigen: Bekanntheit und Skepsis. Thomas Robrecht hört den Befund inzwischen von Neukunden selbst — „Machen Sie, was Sie für richtig halten, aber bitte keine Mediation."
Seine Diagnose ist unbequem: Mediation wird wenig nachgefragt, weil sie in der Gesellschaft längst bekannt ist. Innerhalb der Szene wird die Zertifizierung nach der neuen Ausbildungsverordnung als „Karnevalsorden" bezeichnet, und es wird offen diskutiert, dass Ausbildung Mediation verhindert. Seit fast dreißig Jahren wird das Ziel verfolgt, Mediation in der Gesellschaft zu verankern — bekannt ist sie geworden, aber Ablehnung war nicht das Ziel.
Die Frage des Beitrags lautet deshalb, wie sich die frustrierende Differenz von Absicht und Wirkung verringern lässt. Seine Antwort verlangt einiges: Wenn Mediation alle relevanten Bereiche der Gesellschaft erreichen soll, müssen manche ihrer Grundannahmen hinterfragt oder wenigstens zur Seite geschoben werden — damit der Blick der Nachfrageseite auf ihren Wert nicht verstellt bleibt.
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