Was ist professionelle und kompetente Mediation?
Wie sich Anspruch und Realität über die Kompetenzbetrachtung annähern können.
Thomas Robrecht
In: Die Mediation · Oktober 2017
Zusammenfassung
Wie sieht das Berufsbild für Mediation aus? Weder die Öffentlichkeit noch die Mediationsszene hat darauf eine befriedigende Antwort. Und noch immer dient die Zahl der Ausbildungsstunden als Beschreibung von Ausbildungszielen — für Anbieter gut handhabbar, für die Definition von Qualität eher eine Krücke.
Thomas Robrecht setzt stattdessen bei den Kompetenzen an. Sie erlauben, zwei Fragen objektiv nachvollziehbar zu beantworten: Kann diese Ausbildungsteilnehmerin wirklich mediieren? Und war das eine kompetente Mediation?
Grundlage ist das 2010 gestartete Forschungsprojekt Mediationskompetenz. Rund 4.000 deutschsprachige Verbandsmitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden eingeladen; 562 Antworten ergaben eine solide Datenbasis. Ausgewertet wurde entlang der vier Basiskompetenzen des KODE®-Modells von Erpenbeck und Heyse: personale, aktivitätsbezogene, fachlich-methodische und sozial-kommunikative Kompetenz.
Das Ergebnis sind drei Profile, die sich mit der Praxiserfahrung verschieben. Bis etwa sieben Mediationen ist die Haltung **methodenorientiert**: „Ich will nichts falsch machen." Bis zwanzig wird sie **persönlichkeitsorientiert**: „Ich bin Mediatorin und zeige das allen." Darüber hinaus wird sie **kundenorientiert**: „Ich will Nutzen stiften." In den ersten beiden Phasen kann die Konzentration auf das Richtigmachen beziehungsweise auf die eigene Identität so viel Aufmerksamkeit binden, dass der Kontakt zum Kunden leidet.
Daraus folgt ein Dilemma, das der Beitrag offen benennt: Ein erkennbares Berufsbild verlangt klare Abgrenzung zu anderen Berufsgruppen. Den Profis aber — und dem Markt — ist gleichgültig, mit welcher Methode ein Ziel erreicht wird. Sie kombinieren Methoden verschiedener Disziplinen, folgen ihrer Intuition, und nicht selten steht ihr praktisches Handeln im krassen Widerspruch zu den Lehrbüchern.
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