Mediation als Lösungsfalle?
Feedback zu Dr. Karl Kreuser »Wenn Mediationsausbildung Mediationen verhindert«.
Prof. Dr. Reinhard Greger
In: mediationaktuell.de · Oktober 2018
Zusammenfassung
Karl Kreuser hatte die These vertreten, eine zu große Identifikation mit Mediation könne sich als Hindernis für die Konfliktlösung erweisen — als Lösungsfalle. Prof. Dr. Reinhard Greger, Richter am Bundesgerichtshof a. D. und Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg, stimmt ihr aus langjähriger Beobachtung der deutschen Mediationsentwicklung zu und überträgt sie auf den Umgang mit Rechtskonflikten.
Seine Beobachtung ist unbequem: Das Premium-Modell Mediation ist für viele Streitfälle schlicht unpassend und wird von Rechtsuchenden wie von Rechtsberatern vielfach als zu zeitaufwändig, zu teuer, zu fordernd und zu psychologisch empfunden. Von Rechtsanwälten höre er immer wieder: „Wenn ich einem Mandanten Mediation vorschlage, geht er zu einem anderen Anwalt."
Wer sich in seinen Rechten verletzt fühlt, weil der Vertragspartner nicht zahlt oder der Handwerker gepfuscht hat, wird von der Aussicht auf eine mehrstündige Sitzung mit Interessenklärung eher abgeschreckt — und landet vor Gericht, wenn ihm niemand die anderen Wege außergerichtlicher Beilegung zeigt: kooperatives Verhandeln, eine Schlichtungsstelle, ein neutraler Sachverständiger.
Aus seinen Untersuchungen zum Güterichterverfahren berichtet er von Güterichterinnen, die ausschließlich nach den Regeln der Mediation arbeiten und das Verfahren abbrechen, wenn das nicht gelingt. Das widerspricht dem Gesetz, das ausdrücklich alle Methoden der Konfliktbeilegung eröffnet — und verschüttet die Chance auf eine anders erreichbare Lösung.
Sein Fazit teilt Kreusers Ausgangspunkt: Mediative Haltung und Kompetenz sind für jede Form der Konfliktvermittlung wertvoll. Die Schulungen dazu seien aber zu stark auf die Tätigkeit als Mediator zugeschnitten. Dass Mediation als Lösungsfalle wirkt, sei ein Widerspruch in sich und dürfe nicht sein.
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